Im Schatten von „Shades of Grey“

Immerhin ein Gutes hat dieses Buch: SM ist irgendwie in die Wohnzimmer gerückt.

Aber: Ist das wirklich gut?

Oder sind wir nun nur noch um viele Klischees reicher und haben noch mehr Ansprüche zu erfüllen? Als Mann, der attraktiv, cool, reich und besitzergreifend und als Frau, die Jungfrau, unzähliger Orgasmen fähig und dem Manne untertan sein soll.

Was, wenn wir das nicht sind und was, wenn wir unter SM etwas völlig anderes verstehen? Und zwar aus echter und langer und realer Erfahrung. Oder ganz einfach, weil es uns so nicht entspricht!

Was, wenn ich als Frau so gar nicht hörig und unterwürfig bin und noch weniger Jungfrau und auch nicht daran interessiert, mich irgendeinem Fick hinzugeben oder gar einem Mann oder sonst jemandem zu unterwerfen? Was, wenn ich mich in der dominanten Rolle wiederfinde und auch dann SM ganz anders verstehe als Mister Grey und sexuelle Handlungen und das Erzeugen von Abhängigkeit z.B. nicht mein Fokus sind?

Wenn ich irgendjemand heute erzähle, dass ich SM praktiziere, was denken die dann über mich? Welche Klischees stehen dann im Raum?

Was, wenn ich als Mann gar nicht der coole und besitzergreifende Typ bin, sondern lieber die submissive Rolle erlebe? Muss ich dann multiple Orgasmen haben können und mich mit Haut und Haar unterwerfen lassen? Kann ich meiner Partnerin mit dem Buch oder Film durch die Blume und erfolgversprechend sagen, dass ich auf SM stehe? Wie wird sie das verstehen, wenn sie keine Ahnung hat, was mich anmacht dabei? Wird sie das auf meine Themen neugierig machen oder glaubt sie, dass ich für sie „den unfehlbaren Hengst machen will“ und fällt noch mehr aus allen Wolken, wenn ich ihr gestehe, dass ich ihr Sklave sein möchte?

Wie ich es drehe und wende überwiegen für mich eher die Nachteile. Keine Frage – für eine Frau, die sich erotisch zur Subrolle hingezogen fühlt, ist das durchaus ein richtig guter Kick. Sie wird es inspirieren und motivieren, das auszuleben und das wird ihre Orgasmen möglicherweise intensivieren oder auch vervielfältigen, wenn sie passende Partner dafür hat, die wiederum daran Gefallen finden werden.

Für diejenigen ist dieses Buch ein Treffer ins Schwarze. Und das müssen viele sein, wenn man aus den Verkaufszahlen darauf schließt.

Doch ich betone dabei: Das ist eine erotische Facette, keine Realität. So geht SM real nicht. Weder privat, noch professionell.

Denn eines zeigt sich: Alle anderen bleiben auf der Strecke und geraten dadurch nur noch mehr in den Schatten von Klischees und Unverständnis.

So wird nun auch SM – wie alle anderen Nischen und Freiräume davor auch – von Mode und Konsum aufgefressen und damit zur Karikatur seiner selbst entwertet. Sexualität als unsere kraftvollste Energiequelle wird mit Quantität verknüpft und unreflektiert mit SM untermauert, indem die emotionalen Themen der SM Praxis wie in einem billigen Krimi aufbereitet keine echte Tiefe entfalten können.

So wird es Zeit, einen Schritt weiter zu gehen. Welcher kann das sein?

Meine Ideen dazu würde ich Ihnen gerne persönlich aufzeigen. Vielleicht haben Sie auch eine ganz andere Meinung oder Idee dazu. Bitte sehr, gerne kommentieren. Ich bin definitiv interessiert daran.

Posted on: 7. Januar 2017, by : sharka

2 thoughts on “Im Schatten von „Shades of Grey“

  1. Der Satz, über die vom Konsum aufgefressenen Freiräume, bringt einen großen Teil der Misere unserer Tage auf den Punkt. Auch die Verknüpfung mit Quantität scheint mir universell zu gelten. Ich habe das jetzt schon bei einigen Themen erlebt. Es wird auch kein Ende nehmen. Die Vermarktungsmaschine wird sich immer wieder Nischen suchen, diese zu Marksegmenten aufblähen und dann die Kommerzialisierungswelle lostreten. Das Credo lautet: „Was gestern noch als Nische galt ist morgen schon ein Marktsegment“.
    Ein Hauch von Bitterkeit schwingt da durchaus mit wenn ich das aufschreibe. Das macht die Suche nach einer Antwort auf die Fragen nicht gerade einfacher.
    Meine Ausweichreaktion ist inzwischen die folgende. Ich suche nach meinem ganz persönlichen Kern, spüre der Frage nach warum ist mir etwas wichtig. Das kann durchaus Jahre dauern. Wenn ich den Kern (das Bedürfnis) gefunden habe, überlege ich mir ob und wie ich das Bedürfnis befriedige. Das hört sich banal an, ist es aber nicht. Fast immer (egal zu welchem Thema) ging das mit einem Abschied von Gewohnheiten und manchmal auch Menschen einher.
    Wenn ich das Bild der Nische nochmal aufgreife, ich suche nach der Ecke der Nische, die mir am wichtigsten ist. In dieser Ecke rauscht ein Teil der Vermarktungswelle an mir vorbei, dafür ist es nicht mehr ganz so bequem. Wenn dann noch ein professioneller Aspekt hinzukommt wird es nochmal schwerer, in der Ecke lässt sich oft deutlich weniger Umsatz machen.
    Ich hoffe mal, das mein Geschreibsel nicht völlig verwirrend war, zumal es sich nicht um BDSM gedreht hat.

    LG

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